Ich habe nun wirklich lange nicht mehr geschrieben, es ist wirklich einiges passiert.
Am 21.09. haben wir Freiwilligen Dhaka verlassen (alle außer Insa, deren Organisation ihren Sitz in Dhaka hat) und uns in Richtung unserer Partnerorganisationen zu machen. So verschlug es uns also in die unterschiedlichsten Teile Bangladeschs, hauptsächlich im Norden. Für mich hieß das, Sachen packen, die grade frisch aufgestellten Zelte in Dhaka wieder abreißen und in den Bus nach Netrakona Sada, die Hautpstadt des Netrakona Districts, der sich an der Grenze zum Himalaya befindet (Ich hoffe, ich schaffs mal dahin zum Urlauben
).
Man merkt, dass etwa ein zwei Fünftel der Leute hier Hindus sind, auf den Straßen laufen zig Kühe und grasen auf den Fußball-/Cricketfeldern (ich wollte so dringend ein Foto machen mit dem Titel “Bengali Football”, aber der Akku der Kamera war leer). Und Ziegen laufen hier rum und Schafe. Auf dem Magra sieht man immer wieder Fischer, alles sehr idyllisch. Aber Netrakona Stadt hat auch einen großen Markt, wo man eigentlich alles kaufen kann, zig Stoffhändler, Obst- und Gemüsestände, Schneider, Schreibwarenläden und Geschäfte einfach für Krimskrams. Und alles sind mehr oder weniger das, was wir uns unter Tante-Emma-Läden vorstellen, kleine Geschäfte mit Regalen voller Sachen.
Ich kann ja einfach mal meinen Tagesablauf schreiben (inspiriert von der Frauke, die grad in Japan ist und ihren ersten Monatsbericht gerade auf ihrem Blog hochgeladen hat).
Um 7:30 klingelt mein Wecker. Es ist dann schon hell draußen und auf der Straße ist meistens schon Lärm (Bushaltestelle direkt auf der anderen Straßenseite, hier gibt es keine Anzeigetafeln welcher Bus als nächstes fährt, sondern es wird lauthals geschrien). Ich tüdel das Moskitonetz zusammen und stehe auf. Das erste was ich dann mache ist eine kalte Dusche nehmen (nö, warm ist hier nicht) und mich fertig machen für die Arbeit. Dann gehe ich runter auf die Straße und rufe mir eine Ricksha. Die meisten Rickshafahrer wissen auch schon, wohin ich muss. Das “Sabalamby jaben?” kann ich mir meistens sparen. Dann geht es über holprige Straßen und matschige Feldwege etwa fünf Minuten zum Office, immer am Fluss Magra entlang. Unterwegs ernte ich natürlich einiges an Blicken, Weiße sieht man hier nicht alle Tage, und einige Schulkinder rufen “Hello, Madam!” oder “How are you?”. Angekommen im Office geht mein erster Gang in die Kantine, wo ich Frühstück und Mittagessen genieße. Morgens gibt es meistens Ruti (runde Brotfladen) mit einem Omelette und Gemüse, mittags dann klassisch Reis, wieder mit einer Eivariation (man versucht auszugleichen, dass ich kein Fleisch esse), Gemüse und Dal (eine typische Linsensoße). Das essen hier schmeckt mir wirklich gut, auch wenn es wirklich sehr scharf ist, das heißt Schweißausbrüche beim Frühstück garantiert.
Nach dem Frühstück gehe ich zu Dilu, meinem Mentor hier, und wir reden über den Tag und trinken einen Tee. Dann gehe ich in mein Büro oder fahre mit jemandem von Sabalamby zu Schulen oder besuche die Handicraft Section – was halt so ansteht. Letzte Woche hatte Feli, eine andere Freiwillige, hier in Netrakona einen Human Rights Theater Workshop, auf den ich mitdurfte. Das war auch ziemlich cool.
Um halb Zwei gehe ich dann zum Mittagessen, um danach wieder zu arbeiten.
Um vier ist dann schließlich Feierabend und ich fahre nachhause. Wenn ich Lust habe und eventuell schon den ganzen Tag mit der Rickscha über irgendwelche Pattwege zu Dörfern gefahren bin, gehe ich auch wohl den Weg nachhause.
Dann bin ich erst mal allein in meiner riesigen Wohnung und versuche zu entspannen. Meistens klingeln irgendwann die Nachbarkinder von unten. Mit der Familie, die unter mir wohnt, habe ich mich schon ziemlich angefreundet und gehe ab und an mit runter, um mit der Mama einen Tee zu trinken, mit den Kindern zu spielen oder mit dem Papa (der auch bei Sabalamby arbeitet) über die Arbeit und Bangladesch und die Welt zu quatschen.
Mein Abendessen organisiere ich selber, also gehe auf den Markt und kaufe etwas. Das ist ganz gut, so habe ich es nach einem Tag Reis schaufeln auch ganz in meiner Hand abends einfach mal nur Obst zu essen.
Vielleicht gucke ich dann noch einen Film vorm Schlafen, aber meistens bin ich zu kaputt – das Klima macht mir hier wirklich zu schaffen.
Also schlafe ich dann irgendwann geschafft aber glücklich ein.
Ich bin wirklich total zufrieden mit meinem Leben hier, auch wenn ich noch arge Kommunikationsschwierigkeiten habe, was aber von Tag zu Tag besser wird. Und natürlich vermisse ich zuhause, vor allem an den freien Freitagen, wo man dann so richtig Zeit zum Nachdenken hat.
Aber alles in allem kann ich mich wirklich nicht beklagen. Netrakona ist wunderschön und mir geht es gut.









