Netrakona, Tante-Emma-Läden und Schweißausbrüche

1 10 2010

Ich habe nun wirklich lange nicht mehr geschrieben, es ist wirklich einiges passiert.

Am 21.09. haben wir Freiwilligen Dhaka verlassen (alle außer Insa, deren Organisation ihren Sitz in Dhaka hat) und uns in Richtung unserer Partnerorganisationen zu machen. So verschlug es uns also in die unterschiedlichsten Teile Bangladeschs, hauptsächlich im Norden. Für mich hieß das, Sachen packen, die grade frisch aufgestellten Zelte in Dhaka wieder abreißen und in den Bus nach Netrakona Sada, die Hautpstadt des Netrakona Districts, der sich an der Grenze zum Himalaya befindet (Ich hoffe, ich schaffs mal dahin zum Urlauben :) ).

Die Aussicht von meinem Balkon

Von meinem Balkon aus Blicke ich direkt auf den Magra - schön, oder?

Netrakona ist wirklich wunderschön. Die Busfahrt ging große Teile einfach nur zwischen Reisfeldern hindurch (mal abgesehen von einer Riesenstadt voller Textilfabriken – KIK lässt grüßen). Überall sind Palmen und Bananenbäume, alles ist sehr grün. Netrakona Stadt an sich ist auch eher flach. Ich kann die Größe nicht wirklich abschätzen, hab sie schon mal mit Lohne verglichen :D
Man merkt, dass etwa ein zwei Fünftel der Leute hier Hindus sind, auf den Straßen laufen zig Kühe und grasen auf den Fußball-/Cricketfeldern (ich wollte so dringend ein Foto machen mit dem Titel “Bengali Football”, aber der Akku der Kamera war leer). Und Ziegen laufen hier rum und Schafe. Auf dem Magra sieht man immer wieder Fischer, alles sehr idyllisch. Aber Netrakona Stadt hat auch einen großen Markt, wo man eigentlich alles kaufen kann, zig Stoffhändler, Obst- und Gemüsestände, Schneider, Schreibwarenläden und Geschäfte einfach für Krimskrams. Und alles sind mehr oder weniger das, was wir uns unter Tante-Emma-Läden vorstellen, kleine Geschäfte mit Regalen voller Sachen.

Ich kann ja einfach mal meinen Tagesablauf schreiben (inspiriert von der Frauke, die grad in Japan ist und ihren ersten Monatsbericht gerade auf ihrem Blog hochgeladen hat).
Um 7:30 klingelt mein Wecker. Es ist dann schon hell draußen und auf der Straße ist meistens schon Lärm (Bushaltestelle direkt auf der anderen Straßenseite, hier gibt es keine Anzeigetafeln welcher Bus als nächstes fährt, sondern es wird lauthals geschrien). Ich tüdel das Moskitonetz zusammen und stehe auf. Das erste was ich dann mache ist eine kalte Dusche nehmen (nö, warm ist hier nicht) und mich fertig machen für die Arbeit. Dann gehe ich runter auf die Straße und rufe mir eine Ricksha. Die meisten Rickshafahrer wissen auch schon, wohin ich muss. Das “Sabalamby jaben?” kann ich mir meistens sparen. Dann geht es über holprige Straßen und matschige Feldwege etwa fünf Minuten zum Office, immer am Fluss Magra entlang. Unterwegs ernte ich natürlich einiges an Blicken, Weiße sieht man hier nicht alle Tage, und einige Schulkinder rufen “Hello, Madam!” oder “How are you?”. Angekommen im Office geht mein erster Gang in die Kantine, wo ich Frühstück und Mittagessen genieße. Morgens gibt es meistens Ruti (runde Brotfladen) mit einem Omelette und Gemüse, mittags dann klassisch Reis, wieder mit einer Eivariation (man versucht auszugleichen, dass ich kein Fleisch esse), Gemüse und Dal (eine typische Linsensoße). Das essen hier schmeckt mir wirklich gut, auch wenn es wirklich sehr scharf ist, das heißt Schweißausbrüche beim Frühstück garantiert.

Mädchen beim Färben

Mädchen beim Färben in der Handicraft Section von Sabalamby


Nach dem Frühstück gehe ich zu Dilu, meinem Mentor hier, und wir reden über den Tag und trinken einen Tee. Dann gehe ich in mein Büro oder fahre mit jemandem von Sabalamby zu Schulen oder besuche die Handicraft Section – was halt so ansteht. Letzte Woche hatte Feli, eine andere Freiwillige, hier in Netrakona einen Human Rights Theater Workshop, auf den ich mitdurfte. Das war auch ziemlich cool.
Um halb Zwei gehe ich dann zum Mittagessen, um danach wieder zu arbeiten.
Mädchen mit Decke

...und die fertige Decke.


Um vier ist dann schließlich Feierabend und ich fahre nachhause. Wenn ich Lust habe und eventuell schon den ganzen Tag mit der Rickscha über irgendwelche Pattwege zu Dörfern gefahren bin, gehe ich auch wohl den Weg nachhause.
Dann bin ich erst mal allein in meiner riesigen Wohnung und versuche zu entspannen. Meistens klingeln irgendwann die Nachbarkinder von unten. Mit der Familie, die unter mir wohnt, habe ich mich schon ziemlich angefreundet und gehe ab und an mit runter, um mit der Mama einen Tee zu trinken, mit den Kindern zu spielen oder mit dem Papa (der auch bei Sabalamby arbeitet) über die Arbeit und Bangladesch und die Welt zu quatschen.
Mein Abendessen organisiere ich selber, also gehe auf den Markt und kaufe etwas. Das ist ganz gut, so habe ich es nach einem Tag Reis schaufeln auch ganz in meiner Hand abends einfach mal nur Obst zu essen.
Vielleicht gucke ich dann noch einen Film vorm Schlafen, aber meistens bin ich zu kaputt – das Klima macht mir hier wirklich zu schaffen.
Also schlafe ich dann irgendwann geschafft aber glücklich ein.

Ich bin wirklich total zufrieden mit meinem Leben hier, auch wenn ich noch arge Kommunikationsschwierigkeiten habe, was aber von Tag zu Tag besser wird. Und natürlich vermisse ich zuhause, vor allem an den freien Freitagen, wo man dann so richtig Zeit zum Nachdenken hat.
Aber alles in allem kann ich mich wirklich nicht beklagen. Netrakona ist wunderschön und mir geht es gut. :)





Hochchinesisch, Bindis und Glückwünsche

17 09 2010

Die Zeit hier Dhaka geht ihrem Ende zu. Etwas traurig bin ich mittlerweile schon. Es stimmt, irgendwann beginnt man es zu mögen. Was auch immer den Charme dieses Molochs ausmacht.

Blick über den New Market und die Moschee.

Der Blick über den New Market mit seiner Moschee.


Gestern haben wir dann auch den Sprachkurs bei Snighda abgeschlossen. Fürs Erste. Bangla ist die siebtmeist gesprochene Sprache der Welt nach Hochchinesisch, Englisch, Hindi, Spanisch, Russisch und Arabisch. Ich gehöre jetzt also fast zu den 215 Millionen Menschen auf der Erde, die diese Sprache sprechen. Zumindest habe ich das Grundprinzip verstanden und da Bangla echt nicht die schwerste Sprache der Welt ist, hab ich das in einem Jahr bestimmt drauf. Die Schrift ist dagegen schon schwieriger. Einfach ganz anders als die lateinischen Zeichen. Und auch die Art zu schreiben. Schwer zu beschreiben. Ich zeig euch das dann zurück in Deutschland.
Die Teilnehmer unseres Sprachkurses und Snighda

Das Sprachkursfoto mit unserer wunderbaren Lehrerin Snighda.

Zumindest kann ich mich beim Ricksha fahren halbwegs verständlich machen und mich vorstellen. Danke, Snighda :D Nach unserem ersten Fieldvisit haben wir dann noch mal zwei Tage bei ihr, um die neu aufgekommenen Fragen zu klären und ab dann ist das unser Job Bangla draufzukriegen oder eben nicht.

Jetzt stehen noch die letzten Besorgungen in Dhaka an (Klamotten ohne Ende, ich glaub ich fotografier irgendwann mal die schönste Auswahl an Salwar Kameez) und Bindis und ein Bangla-Dictionary und tatsächlich eine Gitarre stehen noch auf der Einkaufsliste. Damit ich auch ja keine Langeweile im Field kriege. ;)

Die Straße vorm New Market von oben.

Die Straße vorm New Market von der Fußgängerüberführung aus.

Heute, am freien Freitag, sind wir schon ziemlich viel durch Dhaka gefahren und haben auch schon einiges gekriegt. Also morgen alles waschen, dann Sonntag Teammeeting und Montag endlich los.
Hoffen wir mal auf einigermaßen funktionales Internet, eine passable Unterkunft und nicht so megaviele Insekten.
Wünscht mir Glück :)





Rhamadan, WM-Blumenpötte und Gegenverkehr

8 09 2010
Verena und ich etwas melancholisch im Flugzeug

Verena und ich etwas melancholisch im Flugzeug

Endlich schaffe ich es also auch noch einen Blogeintrag zu verfassen.
Wie ihr seht, ist mir (und Verena) der Abschied von Deutschland dann doch noch ziemlich schwer gefallen. Die Aufregung der ersten Tage hat dann aber dennoch das meiste Heimweh überdeckt.

Auf Wiedersehen, Hamburg, auf Wiedersehen, Deutschland.

Auf Wiedersehen, Hamburg, auf Wiedersehen, Deutschland.

Die Introduction week riss uns sofort in ihren Bann. Feli, eine Freiwillige der letzten Gruppe, die allerdings ihren Freiwilligendienst verlängert hat und somit noch hier ist (sie war übrigens bei der Organisation, in die ich nun auch komme, also ist die Verlängerung ja mal ein super Zeichen), hat es auf sich genommen uns kulturgeschockten Haufen durch Dhaka, die Hauptstadt Bangladeschs und ein Moloch mit ganz besonderem Charme, zu führen.
Der Terminplan war voll, wir waren Shoppen (landestypisch trägt man hier als Frau den Salwar Kameez, wenn man sich nicht in einen Sari wickeln möchte. Wer auf der Bildungsveranstaltung war, weiß, was ich meine ;) ) im Aziz Market und auf dem New Market (ersteres: fast schon posh, zweiteres: hektisch, laut, dreckig, Dhaka in Miniatur, dafür kriegt man hier ALLES), lernten den NETZ-Staff von hier kennen (alles sehr liebe und offene Leute), trafen den Entwicklungsbeauftragten der Deutschen Botschaft in der Deutschen Botschaft (WM-Feeling: Blumenpötte in schwarz-rot-gold), sahen uns mit einem Freund von Feli die Dhaka University an, sowie das Denkmal für das Erlangen des Rechts, Bengali als Landessprache zu behalten, trafen Journalisten der größten englischsprachigen Zeitung, des Daily Stars, in deren Redaktionsräumen, besuchten das Goethe-Institut (Es gibt hier Kartoffelsalat!!) und die – nach eigenen Aussagen – größte NGO der Welt, BRAC, und streiften schlussendlich durch die verwinkelten Gassen von Old Dhaka.

Nettes Schild, Judith (die Weiße auf dem Bild :D ) und ich auf einem Streifzug durch Dhaka entdeckt haben.

Nettes Schild, das Judith (die Weiße auf dem Bild :D ) und ich auf einem Streifzug durch Dhaka entdeckt haben.

Hinzukamen dann noch viele kleinere “Entdeckungen”, wie der Rifles Square, wo man gut (wenn auch etwas teuer) einkaufen kann, Bashundara City (so eine Megamall hab ich in Europa noch nie gesehen) und natürlich das erste mal im Verkehrschaos von Dhaka Ricksha fahren (“Hm, auf dieser Fahrbahn ist Stau, dann fahr ich halt durch den Gegenverkehr”, denken sich die Rickshafahrer hier öfter mal. Adrenalinstoß garantiert.), die eigene Wäsche mit der Hand zu waschen, essen ohen Besteck und natürlich das ganz besondere Flair im Rhamadan.

Alles in allem habe ich mich hier schon gut eingelebt. Auf die Einführungswoche folgte die erste Woche Sprachkurs, was ziemlich anstrengend aber sehr, sehr hilfreich ist. Bis diesen Freitag haben wir noch die Ehre von der wunderbaren Lehrerin Snighda das Nötigste an Bangla zu erlernen und dann ist eine Woche Eid-Ferien (das ist das muslimische Opferfest zum Ende des Rhamadan).
Erst danach gehts ins Feld. Und ich freu mich schon tierisch drauf, mich endlich richtig nützlich machen zu können.

Rosas und mein Teil des Zimmers nach 2 Wochen. Fast wie daheim.

Rosas und mein Teil des Zimmers nach 2 Wochen. Fast wie daheim.





Der Spendenflyer.

4 05 2010

Endlich ist er online:

der wunderschöne Spendenflyer!

Angucken?

Spendenflyer





Erste Schritte.

3 05 2010

Hier entsteht die Internetpräsenz für und über meinen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst in Bangladesch.

Liebe Grüße bis hier schon mal,

Anna-Lena








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